

Die Dorfgemeinschaft Latschach plant gemeinsam mit dem Journalisten Martin Rümmele ein Buch über den Aichwaldsee. Der See, die Umgebung, Natur, Landschaft, Wirtschaft und Geschichte werden in diesem Buch im Vordergrund stehen. Mit vielen interessanten Bildern. Hier ein kleiner Auszug über die Geschichte des Sees.

Geschichte des Aichwaldsees
Der Aichwaldsee liegt in einer sehr wasserreichen Zone, die besonders durch die Karawankenbäche Worounitza und Kropiuna, im Unterlauf auch als Mühlbach bezeichnet, geprägt ist.

Alte Luftaufnahme
Die ergiebigen Quellen in diesem Gebiet versorgen die Bevölkerung mit bestem Trinkwasser. Im 17., 18. und 19. Jahrhundert befanden sich an den beiden Wasserläufen eine große Anzahl von Mühlen, Sägen und Hammerwerken. Von den Oberläufen bis zum Faaker See wurden etwa 20 Anlagen mit Wasserkraft betrieben.

Ehemalige Kronigmühle
Die letzte Säge, der Familie Mikl, stellte 2009 ihren Betrieb ein. Der einzige Wirtschaftsbetrieb, die Firma Smoliner, nützt die Karawankenbäche heute zur Schotter- und Sandgewinnung. Rund um den Aichwaldsee gab es früher zahlreiche Handwerksbetriebe, wie beispielsweise die Bäckerei Thalmann, die Tischlerei Woschitz vlg. Kobovt oder den Schuster Kircher. Beim Anwesen Aicholzer vlg. Skledar gab es einen Greislerladen und die Familie Erlach vlg. Žlosar betrieb eine Fleischerei. Der See war ursprünglich im Besitz der Herrschaft Liechtenstein in Rosegg und ging dann auf das Adelsgeschlecht Wittgenstein-Maresch über. Im Jahr 1928 kaufte die Familie Woschitz-Jakubetz vlg. Borovc (Inhaber des Hotels Mittagskogel) den See. Die Familie Wuntschek erwarb in den frühen1970er Jahren den Besitz und führte das Strandbad bis zum Jahr 1987, als ihn schließlich die Marktgemeinde Finkenstein mit finanzieller Hilfe des Landes Kärnten übernahm. Eine Besonderheit des Sees war das rustikale, hölzerne Badehaus, eine Mischung aus ländlicher Einfachheit und bürgerlich kulturellem Anspruch. In seiner schlichten Formgebung war das Badehaus eine gelungene Anlehnung an die „Wörthersee Architektur“ der Zwischenkriegszeit.

Ehemaliges Badehaus mit Sprungturm
Der fehlende Denkmalschutz und der desolate, irreparable Zustand des Gebäudes führten 2014 dazu, dass die Gemeinde sich für einen Neubau des Badehauses entschloss. Das neue Badehaus wurde vom Architekturbüro Gasparin&Meyer geplant und im Juli 2014 feierlich eröffnet.

Ein Naturphänomen ist die schwimmende Insel, die sich jahrelang im Schilf versteckt, dann aber unvermittelt auftaucht und am See ihre Runden zieht. Im Juni 2023 wurde die Insel vom „stärksten Kärntner“, Martin Hoi, quer über den Aichwaldsee gezogen. Die ÖWR Faaker See unterstützte ihn dabei.






Eislaufen 1937


Badefreuden nach dem 2. Weltkrieg

Ostern 1938
Dramatische, jüngere Geschichte am Aichwaldsee
Im 20. Jahrhundert war der Aichwaldsee und seine Umgebung Schauplatz dramatischer Ereignisse. Nach dem Abwehrkampf verlief die erste Demarkationslinie vom Mittagskogel entlang der Worounitza über den Bleiberg bis zur Drau. Im Vertrag von St. Germain wurde dann die Linie Mallestiger Mittagskogel, Rauschenbach bis zur Drau festgelegt. Damit fiel das Gebiet in die Zone A, wo am 10.Oktober 1920 über die Zugehörigkeit zu Österreich oder Jugoslawien abgestimmt wurde. Vom 20. Juni bis zur Abstimmung gab es von Unteraichwald bis Ledenitzen eine neutrale Zone, die von einem italienischen Infanterieregiment aus Sizilien kontrolliert wurde.
In der Zwischenkriegszeit war die Villa Klausner, oberhalb des Sees, das Hauptquartier der illegalen Gauleitung der NSDAP. Hubert Klausner wurde nach dem Anschluss 1938 kurzzeitig Gauleiter und Landeshauptmann von Kärnten. Er verstarb am 12. Februar 1939 an einem Hirnschlag.

Im Südosten des Sees, unterhalb der Arichwand befand sich vom Herbst 1944 bis zum 9. Februar 1945 ein Partisanenbunker. Dieser diente etwa 20 Widerstandskämpfern aus Oberkrain als Stützpunkt. Ein Jäger entdeckte den Bunker und meldete ihn den NS Behörden. Nach dem Verrat wurden dort in den Morgenstunden des 10. Februar 1945 acht Partisanen von SS Polizeieinheiten und Volkssturmleuten erschossen.

Nachbau des Bunkers unter der Arichwand
Am 24. April 1945 ging der Partisane Franjo Pöck vlg. Mikul aus Altfinkenstein zu einem Haus nach Unteraichwald. Er wurde von einer Einheimischen verraten und am Rückweg vom Gendarmen Hauser erschossen. An die Kinder der Volksschule Latschach wurde zur Abschreckung Flugzettel mit folgendem Inhalt verteilt: „Der Bandit Franjo Pöck wurde in Unteraichwald erschossen.“

Die Wasserrettung und das Christbaumtauchen
Die Österreichische Wasserrettung am Faaker See wurde 1963 gegründet. Seit den 1980er Jahren gibt es auch eine Ortsstelle am Aichwaldsee. Die Familie Wuntschek stellte der ÖWR eine Badekabine für die Rettungsmittel zur Verfügung. Viele Jahre wurden auch Rettungsschwimmkurse am Aichwaldsee veranstaltet. Im Sommer gab es bis heute keine größeren Einsätze zu bewältigen. Anders leider im Winter, wo zweimal ein Räumfahrzeug vom Grund des Sees geborgen werden musste. Trotz des schnellen Einsatzes der ÖWR Taucher und Kräfte der FF Latschach kam im Jänner 2020 für den verunglückten Eismeister leider jede Hilfe zu spät.

Regelmäßige Übungen im Sommer und Winter zusammen mit der Feuerwehr Latschach garantieren eine optimale Vorbereitung auf verschiedene Einsatzszenarien am Aichwaldsee und seinem Altwasser.



Die ersten Christbaumtauchen wurden ab 1991 am Faaker See durchgeführt, die Idee dazu hatte der damalige Tauchwart Rudi Ljevsic. Mit dem Versenken des beleuchteten Christbaumes wird jährlich aller im Wasser ertrunkenen und verunglückten Menschen und Kameraden gedacht.

Hunderte Besucher aus Nah und Fern kommen jedes Jahr zum Christbaumtauchen. Ab 1995 wurde das Tauchen an den Aichwaldsee verlegt, wo es früher um die Weihnachtszeit meist schon eine starke Eisdecke gab. Mit dem Eis gestalteten die Rettungsschwimmer Eisskulpturen, die beim Christbaumtauchen beleuchtet wurden und alle Besucher begeisterten.

Auf Grund der zuletzt warmen Winter gab es auch am Aichwaldsee kein Eis mehr. Daher und wegen der besseren Infrastruktur wurde die beliebte Weihnachtsveranstaltung 2023 wieder zurück in das Strandbad Faak verlegt.



Sepp Springer Heim-„Hammerwerk zum Stöckl“ der Gräfin Stubenberg
Im Jahr 1787 entstand am Worounitzabach ein Hammer- und Drahtzieherwerk, welches dem Appellationsrat Engelbert von Erler gehörte. 1840 wurde das Werk „Zum Stöckl“ von der Gräfin Stubenberg erworben aber schon nach einigen Jahren geschlossen.Nach dem 1. Weltkrieg kaufte der Kriegsopferverband das Gebäude. 1938 kam es zur Gaudienstelle für Kriegsopfer. Nach dem 2. Weltkrieg nutzten die Engländer die Liegenschaft. Nach der Rückstellung war die Familie Hafner bis 1951 Eigentümer, dann wurde es wieder vom Kriegsopferverband erworben. Im Mai 1976 wurden die Gebäude durch das schwere Erdbeben in Friaul so beschädigt, dass sie teilweise abgetragen werden mussten. 1981 erfolgte die Neueröffnung des Heimes. Bis 2005 wurde das Heim betrieben und stand dann etwa zehn Jahre leer. Seit November 2015 wird das Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt.
